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Wer bin ich, ohne meine Rollenbilder? Wer bin ich, wenn nicht Mutter, Partnerin, Kollegin...?

vor 1 Stunde
4 Min. Lesezeit


Wer bin ich, wenn meine Rolle wegfällt?


Von Silvia Strerath · Neuorientierung in der Lebensmitte


Die Kinder ziehen aus. Der Job verändert sich oder endet. Eine Beziehung geht zu Ende. Von außen betrachtet läuft das Leben weiter, die Tage haben ihren Rhythmus, und doch fühlt es sich an, als hätte jemand den Boden unter dir ein Stück verschoben.


Vielleicht kennst du diesen Gedanken: Ich weiß eigentlich nicht mehr, was ich will.


Wenn es dir so geht, bist du nicht allein. Und mit dir ist nichts falsch. Dieser Gedanke taucht oft genau dann auf, wenn etwas Vertrautes wegfällt und eine Frage Raum bekommt, die lange keinen Platz hatte: Wer bin ich eigentlich, wenn ich nicht mehr gebraucht werde, so wie bisher?



Rollen geben Halt


Mutter, Partnerin, Kollegin, Tochter, die Frau, die alles im Blick hat: Rollen sind nichts Schlechtes. Sie geben Struktur, Zugehörigkeit und Anerkennung. Du wusstest, wo du gebraucht wirst und wohin du gehörst. Das ist ein gutes Gefühl, und es trägt oft über viele Jahre.


Schwierig wird es erst, wenn wir uns so sehr mit unseren Rollen identifizieren, dass wir vergessen, wer wir daneben noch sind. Solange alles läuft, fällt das kaum auf. Erst wenn eine Rolle wegfällt, wird die Lücke spürbar.



Was passiert, wenn eine Rolle wegfällt?


Typische Auslöser in der Lebensmitte sind:


- die Kinder werden selbstständig und ziehen aus

- eine Trennung oder ein Verlust verändert die Partnerschaft

- ein beruflicher Wechsel, eine Umstrukturierung oder das Ende einer Aufgabe

- die Pflege oder Sorge für Angehörige verändert sich

- der eigene Körper und die eigenen Bedürfnisse melden sich neu


Was danach oft kommt, fühlt sich nicht immer nach Befreiung an. Viele Frauen beschreiben eine innere Leere oder Unruhe. Manche sind müde, obwohl sie plötzlich mehr Zeit haben. Andere haben Schuldgefühle: Mir geht es doch eigentlich gut, warum bin ich dann so unsicher?


Und häufig meldet sich ein starker Impuls, die Lücke schnell zu füllen: mit der nächsten Aufgabe, dem nächsten Projekt, der nächsten Verpflichtung. Hauptsache, es geht irgendwie weiter.


Das ist verständlich. Aber vielleicht ist es gerade jetzt nicht der richtige Moment für den nächsten Plan.



Warum noch mehr Nachdenken selten hilft


Wenn die Orientierung fehlt, versuchen wir meist, sie durch Grübeln zu finden. Wir wägen ab, vergleichen, lesen, sprechen mit Freundinnen. Das kann hilfreich sein. Oft dreht sich dabei aber alles im Kreis, weil der Kopf eine Antwort sucht, die noch gar nicht da sein kann.


Klarheit entsteht selten durch noch mehr Nachdenken. Sie entsteht eher, wenn wir innehalten und uns selbst wieder zuhören: Was spüre ich? Was zieht mich an? Was fühlt sich eng an?



Wer bist du jenseits deiner Rollen?


In der yogischen Philosophie gibt es die Vorstellung, dass in uns ein Kern liegt, der frei ist von Erwartungen und davon, wie wir sein sollten. Du musst das nicht spirituell sehen. Man kann es auch ganz alltäglich nehmen: Es gibt etwas in dir, das schon da war, bevor du Mutter, Partnerin oder Kollegin wurdest, und das auch bleibt, wenn sich diese Rollen verändern.


Auch mein eigener Weg hat mich immer wieder eingeladen, Vertrautes loszulassen und mich neu zu entdecken. Auf der Matte habe ich dabei oft zuerst gespürt, was mein Kopf noch gar nicht benennen konnte.


Der Weg dorthin ist selten ein großer Moment. Meist beginnt er klein, mit einer Frage, die du dir ehrlich stellst.



Fünf Fragen zum Ankommen


Nimm dir dafür ein paar ruhige Minuten und etwas zum Schreiben. Du musst nichts richtig beantworten und auch nicht alles auf einmal. Manchmal zeigt sich eine Antwort erst später.


1. Wann habe ich zuletzt die Zeit vergessen, weil ich ganz bei einer Sache war?

2. Was habe ich früher gern gemacht, bevor ich vor allem gebraucht wurde?

3. Worauf bin ich in letzter Zeit neugierig geworden, auch wenn es klein ist?

4. Was tue ich nur aus Gewohnheit oder Pflichtgefühl, nicht weil ich es will?

5. Was würde ich ausprobieren, wenn niemand etwas dazu sagen würde?


Achte beim Schreiben nicht nur darauf, was du denkst, sondern auch darauf, wie sich deine Antworten im Körper anfühlen: leichter, weiter, wärmer? Oder enger?



Wo die Freude ist, beginnt dein Weg


Du musst jetzt nicht wissen, wie dein Leben in fünf Jahren aussieht. Manchmal reicht es, einem Stück der eigenen Freude zu folgen. Sie zeigt sich in kleinen Momenten: wenn du etwas mit Begeisterung tust, ganz in einer Tätigkeit aufgehst oder plötzlich wieder neugierig wirst.


Solche Augenblicke erinnern uns daran, was uns wirklich wichtig ist. So zeigt sich der nächste Schritt nicht zuerst als Plan, sondern als eine Richtung, mit Lust darauf, Neues zu entdecken.



Du musst das nicht allein herausfinden


Wenn du merkst, dass du allein im Kreis denkst, kann es helfen, jemanden an deiner Seite zu haben. In meinem 1:1-Online-Coaching schauen wir gemeinsam, was du wirklich möchtest, was dich noch zurückhält und wie dein nächster Schritt aussehen kann. In deinem Tempo und ohne Druck.


Wenn du magst, lernen wir uns in einem unverbindlichen Gespräch kennen. Du spürst dann schnell, ob es sich stimmig anfühlt.


Hinweis: Coaching ersetzt keine Therapie. Wenn dich die Veränderung sehr belastet oder du dich über längere Zeit niedergeschlagen fühlst, such dir bitte zusätzlich ärztliche oder therapeutische Unterstützung.

 
 
 

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